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Zurück „Der einzige Investor, der nicht diversifizieren muss, ist jener, der immer 100 % richtig liegt!“

Editorial I Fondsjournal Oktober 2026

„Der einzige Investor, der nicht diversifizieren muss, ist jener, der immer 100 % richtig liegt!“

„Der einzige Investor, der nicht diversifizieren muss, ist jener, der immer zu 100 % richtig liegt.“ Diese Aussage geht auf Sir John Templeton (1912 bis 2008) zurück. Beim Blick in den Rückspiegel ist immer vieles bis alles klar. Einmal mehr ist im Jahr 2026 der Aktienweltindex sehr gut gelaufen, getragen vom KI-Boom. Aufgrund der steigenden Renditen sind länger laufende Anleihen unter Druck, Staatsanleihen und Unternehmensanleihen liegen seit Jahresbeginn im Minus; die mehr als soliden Kupons wurden von den Kursverlusten geschluckt. Gleichzeitig wird mit den schon gesehenen und möglicherweise noch kommenden Leitzinserhöhungen eine Parkposition wieder attraktiver und auch Gold ist nach vielen guten Jahren nunmehr in einen schwankungsintensiven Seitwärtstrend übergegangen.
Quelle: Shutterstock

Gerade in diesem sehr speziellen Gemisch gilt es aber, einseitige Portfoliopositionierungen zu vermeiden, da der Blick nach vorne durch die Frontscheibe nur bis zur nächsten Kurve klar ist.

ABER DER REIHE NACH…
Als Investmenthaus diskutieren wir alle zwei Wochen unsere Strategien. Ein Blick in alte Unterlagen stärkt die Lernkurve. Vor dem Sommer gab es eine von uns und vielen Marktteilnehmern geteilte Meinung: Je näher die Zwischenwahlen in den USA im Herbst kommen, desto interessierter wird Donald Trump an geopolitischen Lösungen sein. Diese Einschätzung hat sich als Irrweg erwiesen, die Zwischenwahlen sind nah, Lösungen gibt es keine und wahrscheinlich hat Donald Trump auch mögliche Lösungen längst nicht mehr in seiner Hand.

Durch das somit weiter komplizierte Umfeld im Öl- und Gasbereich haben die Notenbanken ihr Wording doch spürbar verändert und sich entschieden, diesen Angebotsschock durch Zinserhöhungen zu bekämpfen. Ob dies möglich ist, kann man sicher auf theoretischer Ebene diskutieren, als Zeichen und aus Sorge vor Zweitrundeneffekten ist es aber wohl richtig. Weitere Erhöhungen sind vom Markt eingepreist, wobei sich diese Markterwartungen oft auch wieder bemerkenswert rasch ändern. Was sind die Folgen für die Geldanlage im Herbst 2026?

DIE AKTIENMÄRKTE
Die Resilienz der Aktienmärkte ist weiterhin hoch. Die Gründe sind vielfältig. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird im Jahr 2026 bei knapp 3 % liegen, das ist nur unwesentlich weniger als zu Jahresbeginn erwartet; bemerkenswert, angesichts der neuen Zins- und Energiewelt. Die höheren Zinsen schlagen noch wenig durch, da der KI-Boom vieles überdeckt. Selten zuvor in der Geschichte war aber in den USA sowohl für die Börse als auch für die Wirtschaft die Abhängigkeit von einem einzigen Themenkomplex so hoch.

Global betrachtet liegen die Anstiege der Unternehmensgewinne in einem Prozentbereich, der in etwa den Anstiegen der Weltbörsen entspricht; die Märkte sind also nicht teurer als zu Jahresbeginn. Zudem gibt es in den Indices substanziell gewichtete Branchen wie Finanztitel oder Energie, welche vom beschriebenen, über den Sommer veränderten Umfeld profitieren. Als Beispiel sei die Wiener Börse genannt, die nach 2025 auch 2026 zu den besten Börsenplätzen der Welt gehört. Man muss aber wissen, dass die Großbanken ERSTE, Raiffeisenbank International und BAWAG, die Versicherungen VIG und UNIQA sowie die OMV gemeinsam insgesamt etwa 60 % der Indexgewichtung ausmachen. Die Aktienmärkte haben also per se kein Bewertungsproblem und auch kein Unternehmensgewinnproblem. Der KI-Boom wird Rückschläge erleiden, es ist allerdings zu früh, dagegen zu setzen. Nur ein Beispiel für die Finanzkraft mancher Unternehmen: NVIDIA hat angekündigt, über 200 Mrd. Dollar an eigenen Aktien zurückzukaufen. Das entspricht grob der gesamten Marktkapitalisierung von SAP! In unseren Mischmandaten nutzen wir auch weiterhin die jeweils mögliche Aktienhöchstquote zu 75 % aus. Die Frage ist nur: Wann schlagen höhere Zinsen durch und wann wird die Anleihe zum Wettbewerber, der Kapital absorbiert?

DIE ANLEIHEMÄRKTE
Ausgehend von den US-Staatsanleihen ist der Druck auf die Anleihemärkte weiterhin hoch. Ein Budgetdefizit von über 7 %, rasant steigende Staatsschulden, dadurch steigende Kosten für den Zinsendienst und globale Investoren, die aus politischen Gründen nicht mehr bereit sind, US-Treasuries „ohne nachzufragen“ zu kaufen, sind ein brisantes Gemisch. Dennoch sollte man die US-Institutionen nicht unterschätzen, ein Blick in die Geschichte hilft. US-Finanzminister Scott Bessent hat im Rahmen der Deviseninterventionen im Yen mit dem typisch selbstbewussten Satz „I am the house now“, jetzt bin ich die Bank, aufhorchen lassen.

Nimmt man die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen und vergleicht diese mit der Gewinnrendite der US-Unternehmen, so sind Anleihen im Vergleich zu Aktien so attraktiv wie seit 25 Jahren nicht. In unseren diversen Mischstrategien bleiben wir daher unseren Ansätzen treu, auch wenn die Anlageklasse Anleihen 2026 keinen Mehrwert gebracht hat. Wir denken auch hier klassisch global, diversifizieren nach Bonitätsklassen und nach Regionen. Aktuell liegt die durchschnittliche Rendite dieses Bestandes bei knapp 5,50 %, bei einer Restlaufzeit von knapp sieben Jahren. Das wird noch nicht zu massiven Kapitalumschichtungen führen, in einem mittelfristigen und diversifizierten Ansatz ist dies ein mehr als reizvolles Argument, Aktien UND Anleihen zu besitzen. Perfektes Timing ist bekannterweise eine Illusion.

GOLD UND ROHSTOFFE
Die Vorteile von Gold sind alle hinreichend aufgezählt. Gold ist eine harte Währung, die im Gegensatz zu den Papierwährungen nicht beliebig vermehrbar ist. Aber Gold hat eben diesen einen klaren Nachteil: Es zahlt keine Zinsen und es zahlt keine Dividenden. Solange die US-Treasuries nicht zur Ruhe kommen, wird auch Gold zu keiner Rallye ansetzen. Wir bleiben aber investiert, denn sich um die Staatsschulden Sorgen zu machen und im nächsten Schritt dann Gold zu verkaufen, kann kein sinnvoller Ansatz sein. Auch der gesamten Ecke der Industriemetalle bleiben wir treu.

FAZIT FÜR DEN HERBST
Nach den ersten neun Monaten des Jahres bleibt als Zusammenfassung: Aktien besser als erwartet, Anleihen schlechter als erwartet, Gold mit Verschnaufpause. Die bestehenden Trends immer weiter fortzuschreiben, ist ein einfacher Ansatz, am Finanzmarkt aber der falsche Zugang. Trends können stark sein, können länger dauern als man glaubt. Nahezu jedes der vergangenen Jahre zeigt uns aber auch, dass ein externes Ereignis, zu Jahresbeginn nicht vorhersehbar, neue Spielregeln bringen kann. Trends sind daher immer zu beobachten und gegebenenfalls neu zu denken.

Als strategisch denkende Investoren finden wir in allen uns zugänglichen Asset-Klassen Anleihen, Aktien, Gold und Rohstoffen ein Setup für eine solide Portfoliokonstruktion. Wenn alle Segmente gut laufen, dann ist das erfreulich, aber eher die Ausnahme. Wir bleiben daher investiert, auch wenn wir da und dort etwas Tempo rausnehmen, so wie man es auch im herbstlichen Straßenverkehr tut.

Ihr Alois Wögerbauer

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