Donald Trump hält das Tempo hoch mit der gefühlt täglichen Meldung oder Aktion, das wird sich nicht ändern. Je näher die Zwischenwahlen im Herbst kommen, desto geringer wird wohl die Gewichtung der Außenpolitik werden und die Lage der inländischen Wirtschaft und die Stimmung der US-Konsumenten werden mehr in den Vordergrund treten. Auch im Bereich der Anleihen, Aktien und Währungen sowie bei Gold werden die Trends des vergangenen Jahres fortgeschrieben, Korrekturen sind gut, um Euphorie einzubremsen. Keine unserer vor vier Wochen definierten Leitplanken wäre Anfang Februar anders zu formulieren, aber dennoch ist das Gesamtpuzzle nicht ganz stimmig, ein paar Teile spießen sich...
DAS JÄNNERFAZIT WIRTSCHAFTLICH…
Wirtschaftlich scheint alles wie erwartet. Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft aktualisiert und geht auch nach den neuen globalen Informationen des Jänners von einem realen Wachstum 2026 von über 3 % aus. Die Frühindikatoren in der Euro-Zone stabilisieren sich auf tiefen Niveaus und geben Anlass zur Zuversicht.
Die Berichtssaison der Unternehmen beginnt, die Zahlen sind in Summe solide, gerade aus der Chip-Industrie kommen Ergebnisse, die zeigen, dass KI, Künstliche Intelligenz, zu massiven Investitionen in die dafür technisch nötigen Basisprodukte führt. Der Konsens der erwarteten Gewinnsteigerungen für die Aktien des Weltindex pendelt sich bei einem Plus von 8 % bis 9 % für das Jahr 2026 ein. Da wir keine substanziellen Bewertungsveränderungen sehen, bleibt dies weiter unsere Performanceannahme für 2026.
Wir stehen daher zu globalen Portfolien. Unsere Beimischungsempfehlung von Emerging-Marktes bleibt aufrecht, ebenso die Empfehlung mit Small- und Mid-Caps aus unserer regionalen Umgebung, um auf eine Konjunkturerholung und ein mögliches Ende des Russland-Ukraine-Krieges zu setzen. Beide Bereiche haben bereits im Jänner klaren Mehrwert geliefert, wir bleiben überzeugt. Insofern: Alles auf Schiene…
DAS JÄNNERFAZIT GEOPOLITISCH…
Wir haben an dieser Stelle unzählige Male darauf hingewiesen, dass der Einfluss der Geopolitik auf die Finanzmärkte temporär auftreten kann, aber grundsätzlich massiv überschätzt wird. Unternehmen gehen ihren Weg, unabhängig von den jeweils aktuellen geopolitischen Turbulenzen. Wer sich nur auf die Geopolitik konzentriert, wird eine Liste aller potenziellen Probleme der Welt aufzählen können, aber den Blick auf die Chancen der Welt verloren haben: auf Megatrends, auf Wachstumsregionen, auf den globalen Veranlagungsdruck. „Wie kann es sein, dass die Aktienmärkte in dieser unsicheren Welt auf Höchstständen stehen?“, war eine zuletzt sehr häufig an uns gestellte Frage. Die Gegenfrage: Was daran ist falsch, wenn auch die globalen Unternehmensgewinne auf Höchstständen stehen? Nichts! Früher oder später preist die Börse immer die Gewinne der Unternehmen, und nicht regionale Konflikte oder geopolitische Entwicklungen ein. Die weiter steigende Produktivität bleibt auch der Treiber der Zukunft. Insofern: Alles wie gehabt…
DAS JÄNNERFAZIT MARKTTECHNISCH…
Der von uns im Jahresausblick beschriebene „Debasement-Trade“ ist im Gange und hat zuletzt auch den Bereich der Rohstoffe, speziell der Industriemetalle, erfasst. Auch hier gilt: Korrekturen wie in den vergangenen Tagen ändern nichts an der Grundlogik. Die Sorge um die Staatsschulden, die Diskussion um Papiergeld, die Angst vor Abwertung und Kaufkraftverlust nährt die Sehnsucht nach sogenannten harten Assets; eben Aktien, Gold und Rohstoffe. Die Aktienmärkte sind bemerkenswert stabil bis steigend. Nach der Neubewertung der sehr langlaufenden Staatsanleihen in Form von deutlich höheren Renditen ist zuletzt etwas Ruhe eingekehrt. Wie ein Schuldenabbau in Zeiten von hohen Kosten für die Sozialsysteme oder enormen und auch nötigen Investments in die Verkehrs- und Energieinfrastruktur funktionieren soll, ist aber völlig unklar, und wohl auch illusorisch. Insofern: Nichts Neues, Lösung nicht in Sicht…
ABER: WAS IRRITIERT?
Dennoch gab es zuletzt ein Puzzle-Teil, welches sich etwas spießt. Langjährige Leser unseres Monatskommentars wissen, dass an dieser Stelle wohl seit einem Jahrzehnt kein negativer Kommentar zum Goldpreis zu lesen war, ganz im Gegenteil, wir waren – und sind – Anhänger einer Buy-and-Hold-Philosophie. Der neuerliche deutliche Anstieg im Jahr 2026 überraschte dennoch. Was preist der Goldpreis? Gold wurde ja oft auch als Krisenmetall bezeichnet? Es gibt aber aktuell keine wirkliche globale Krise.
Die Erklärungsversuche sind breit. Im Finanzsystem Japans brodelt es, steigende Renditen der Staatsanleihen, wenig Vertrauen in die Währung. Donald Trump könnte das Vertrauen in die US-Notenbank beschädigen, zu tiefe Zinsen einfordern und damit eine vielleicht ohnehin gewollte weitere Dollar-Schwäche nochmals befeuern. Vielleicht wechselt Gold gerade vom ehemaligen „Inflationsschutz“ in einen „Bonitätsschutz“, eben mit Blick auf die Staatsverschuldungen. In allem wird wohl ein Stückchen Wahrheit stecken…
WAHRSCHEINLICHKEITEN…
Nahezu jedes Jahr gibt es Turbulenzen. 2025 im April, nach den Ankündigungen von Donald Trumps-Zoll-Politik. 2024 im August, nach ersten Zinssorgen in Japan, mit dem heutigen Wissen waren diese sehr klein im Vergleich zur aktuellen Dimension. 2023 im Oktober, nachdem die US-Notenbank die Hoffnung auf Zinssenkungen zerstörte. Dennoch waren es drei erfolgreiche Kapitalmarktjahre, eben weil in Summe die Weltwirtschaft und die Unternehmensgewinne die Erwartungen final erfüllt haben. Wir denken, es wird 2026 nicht anders. Dass so wie aktuell die Anleihemärkte ruhig sind, die Zinsvorsprünge stabil sind, die Aktienmärkte stabil und mit wenig Schwankung auf Höchstständen stehen, die Rohstoffpreise in einen massiven Aufwärtszyklus gehen und gleichzeitig Gold im „Krisenmodus“ agiert, war bemerkenswert – und für eine breite Investmentstrategie ideal.
Aber: Ist es wahrscheinlich, dass dies ein Dauerzustand wird? Nein. In einer Ecke wird es Anpassungen geben müssen. Entweder die Aktienmärkte sind zu gelassen, die Anleihemärkte sind zu entspannt, oder Gold preist ein zu negatives Bild ein.
Eine erste Anpassung scheint die harte Korrektur des Goldpreises um den Monatswechsel gebracht zu haben, Grund sind aber weniger völlig neue Erkenntnisse, sondern ein zu rasanter Anstieg in den vergangenen zwölf Monaten. Im Sektor der Edel- und Industriemetalle ist vorerst von weiter deutlich erhöhten Schwankungen auszugehen.
Wenn es aber keine klaren neuen Informationen gibt, dann sollte man auch keine beliebige Aktion setzen. Wir bleiben daher in allen Bereichen investiert, unser Vertrauen in die Kraft der Diversifikation ist unerschütterlich und hat uns sehr gut durch die vergangenen Jahre gebracht. Eben weil es kein Kalenderjahr ohne Korrektur gibt und das Vertrauen in die Weltwirtschaft und in den unternehmerischen Fortschritt immer Basis unseres Tuns war und auch bleiben wird.
Ihr Alois Wögerbauer
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