Fondsjournal: Erläutern Sie uns bitte kurz das Fondskonzept?
Christian Rath: Wir investieren gezielt in Unternehmen, die Lösungen für die drängendsten Umweltprobleme unserer Zeit anbieten, etwa in den Bereichen Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ressourcenknappheit. Dabei fokussieren wir uns auf Anbieter mit skalierbaren und wirtschaftlich tragfähigen Geschäftsmodellen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unser Anlageuniversum gliedert sich in vier zentrale Themenfelder: Saubere Energieinfrastruktur, emissionsarmer Verkehr, moderne Gebäudetechnik sowie ressourceneffiziente Industrie. In all´ diesen Bereichen sehen wir strukturelles Wachstum, einen hohen Investitionsbedarf und das Potenzial, messbar positiv auf die Umwelt einzuwirken. Umweltorientierte Impact-Strategien können Anlegern in globalen Aktien zudem die Möglichkeit bieten, Risiken zu diversifizieren. Denn ihre Allokation überschneidet sich nur begrenzt mit jener traditioneller Kern-Aktienanlagen.
Was sind die aktuellen Trends im Bereich Energie?
Rath: Die globale Wirtschaft ist derzeit durch geopolitische Spannungen und steigende Energiepreise geprägt. Insbesondere die Situation rund um die Straße von Hormus verdeutlicht, wie sensibel die Energieversorgung ist. Während Ölreserven vieler Länder robust sind, ist die Lage bei Gas deutlich angespannter – gerade in Europa. Diese Entwicklungen rücken das Thema Energiesicherheit stärker in den Fokus. Wir sehen daher beschleunigte Investitionen in erneuerbare Energien, Stromnetze und Speicherlösungen. Spannend zu sehen ist, dass die gestiegene Kapazität von Wind- und Solarenergie bereits die Abhängigkeit von Gas zur Deckung von Versorgungslücken in einigen Ländern verringert hat, auch wenn Gas weiterhin eine Rolle spielt. Zusätzliche Investitionen in Energieinfrastruktur werden auch durch den IT-Sektor vorangetrieben, wo Unternehmen – neben dem durch KI getriebenen Anstieg des Strombedarfs von Rechenzentren – auch indirekten Effekten geopolitischer Spannungen ausgesetzt sein könnten. So könnte beispielsweise anhaltende Instabilität ein Risiko für die stabile Energie und Industriegasversorgung in Taiwan darstellen, die für die Halbleiterproduktion erforderlich ist. Kurzfristig belasten höhere Energiepreise zwar energieintensive Industrien, mittel- bis langfristig stärken sie jedoch die Nachfrage nach Effizienzlösungen. Davon profitieren insbesondere Anbieter entsprechender Technologien sowie Versorgerunternehmen.
Was sind die Treiber der Performance 2026?
Rath: Alle vier von uns adressierten Bereiche konnten sich im laufenden Jahr besser entwickeln als der globale Aktienmarkt. Besonders stark war die Entwicklung im Bereich ressourceneffiziente Industrie, unterstützt durch die steigende Nachfrage nach Halbleiterausrüstung im Zuge von KI-Investitionen. Auch Infrastruktur für saubere Energie profitierte von einem beschleunigten Ausbau dezentraler Stromerzeugung. Im Gebäudebereich überzeugten vor allem Energie-Effizienzlösungen, die durch den Ausbau von Rechenzentren zusätzliche Nachfrage erfahren, wie etwa für effiziente Kühlung. Im Segment emissionsarmer Verkehr konnten insbesondere Batteriematerialien und Energiespeicherlösungen zulegen, begünstigt durch die Volatilität in den fossilen Energiemärkten.
Worauf liegt aktuell der Fokus?
Rath: Die Transformation der Energiesysteme geht weit über den Ausbau erneuerbarer Energien hinaus. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Energiesicherheit, Resilienz und Dekarbonisierung. Wir sehen besonders attraktive Chancen in der Strominfrastruktur – sowohl in der Erzeugung als auch in Netzen und Speichern. Parallel dazu sind Effizienzlösungen über alle Sektoren hinweg essenziell: Von nachhaltiger Gebäudetechnologie bis hin zu automatisierten und digitalisierten Industrieprozessen. Im Transportbereich stehen emissionsarme Technologien und Batterielösungen im Fokus. Insgesamt verfolgen wir einen aktiven Investmentansatz, um entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom strukturellen Wandel zu profitieren. Die Investitionen in Datencenter und KI Innovationen führen zu einer engeren Verbindung zwischen der virtuellen und der realen Welt. Wachstumschancen sind zunehmend an physische Infrastruktur gebunden, etwa Rechenzentren, Stromnetze oder Energieversorgung. Das führt zu einer Neubewertung physischer Vermögenswerte. Branchen, die lange unterinvestiert waren, rücken wieder in den Fokus. Diese Vermögenswerte sind oft schwer replizierbar und damit strategisch besonders wertvoll. Kurzfristig verlief die Sektor-Rotation, weg von hoch bewerteten, kapitalarmen Geschäftsmodellen hin zu substanzstarken Unternehmen, recht deutlich. Die strukturellen Treiber für einen neuen Investitionszyklus – wie geopolitische Fragmentierung, steigende Inflation oder der KIgetriebene Energiebedarf – bleiben jedoch intakt.
Gibt es Beispiele für Top-Picks?
Rath: Ein Beispiel ist Prysmian, ein führender Hersteller von Kabelsystemen für Energie- und Datenübertragung. Das Unternehmen spielt eine Schlüsselrolle bei der Anbindung von Wind- und Solarparks und beim Ausbau moderner Stromnetze. Ein weiteres Beispiel ist Spirax, das Unternehmen bietet Lösungen für effizientes Wärmemanagement in industriellen Prozessen. Gerade hier liegt enormes Potenzial zur Reduktion von CO2-Emissionen, da industrielle Wärme einen erheblichen Anteil am globalen Energieverbrauch ausmacht. Beide Unternehmen stehen stellvertretend für unseren Ansatz: Sie verbinden strukturelles Wachstum mit konkretem Nutzen für die Energiewende und Effizienzsteigerung.
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