Fondsjournal: Der 3 Banken Commodities steht künftig einem breiteren Publikum offen. Was war die Idee hinter diesem Fonds?
Tobias Liebig: Der 3 Banken Commodities wurde entwickelt, um einen professionellen und aktiv gemanagten Zugang zur Assetklasse Rohstoffe zu ermöglichen. Während Rohstoffe häufig mit Gold gleichgesetzt werden, umfasst unser Investmentansatz die drei wesentlichen Segmente Edelmetalle, Industriemetalle und Energierohstoffe. Diese profitieren von unterschiedlichen Wirtschaftszyklen und ergänzen sich dadurch sehr gut. Unser Ziel ist es nicht, einzelne Rohstoffpreise zu prognostizieren, sondern ein breit diversifiziertes Portfolio aufzubauen und die Chancen innerhalb der einzelnen Rohstoffsegmente aktiv zu nutzen. Dabei kombinieren wir fundamentale Analysen mit quantitativen Modellen und einem disziplinierten Risikomanagement.
Was unterscheidet den 3 Banken Commodities von anderen Rohstofffonds?
Liebig: Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist unser aktiver Managementansatz. Viele Rohstoffprodukte bilden lediglich einen Index nach und übernehmen damit automatisch dessen Gewichtungen. Diese sind häufig stark von einzelnen Rohstoffen, insbesondere Energie, dominiert. Wir verfolgen einen anderen Ansatz. Durch Mindest- und Höchstgrenzen sowohl auf Segmentebene als auch bei den einzelnen Rohstoffen vermeiden wir Klumpenrisiken und können flexibel auf veränderte Marktbedingungen reagieren. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Portfolio, das Chancen in unterschiedlichen Marktphasen nutzen kann. Investiert wird über Indexfonds und Zertifikate, wodurch wir die einzelnen Rohstoffe effizient und kostengünstig abbilden können.
Wie ist der Fonds derzeit positioniert?
Liebig: Aktuell besteht das Portfolio aus rund 39 % Edelmetallen, 35 % Industriemetallen und 23 % Energierohstoffen. Agrarrohstoffe wurden aus ethischen Überlegungen ausgeschlossen. Innerhalb der Edelmetalle stellt Gold mit rund 22 % die größte Einzelposition dar, ergänzt durch Silber, Platin und Palladium. Im Bereich der Industriemetalle sind wir breit über Kupfer, Aluminium, Zink und Nickel investiert. Im Bereich Energie bilden Öl, Gas und verwandte Rohstoffe den Hauptbestandteil des Portfolios. Diese breite Aufstellung ermöglicht es uns, unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen zu nutzen. Während Edelmetalle häufig von Unsicherheit oder sinkenden Realzinsen profitieren, reagieren Industriemetalle stärker auf die globale Konjunktur und Investitionen in Infrastruktur sowie die Energiewende. Energierohstoffe, also Öl und Gas, wiederum werden maßgeblich durch Angebot und Nachfrage sowie geopolitische Entwicklungen beeinflusst, wie uns das Jahr 2026 wieder einmal zeigt.
Wie treffen Sie Ihre Anlageentscheidungen?
Liebig: Unsere Investmententscheidungen basieren auf drei sich ergänzenden Säulen. Den ersten Baustein bildet die Fundamentalanalyse. Dabei analysieren wir unter anderem Terminstrukturkurven, Lagerbestände, Angebots- und Nachfrageprognosen sowie saisonale Einflüsse. Die zweite Säule ist die Sentiment Analyse. Hier kombinieren wir quantitative Indikatoren wie Commitments of Traders-Volatilitätskennzahlen oder Put-Call-Ratios mit qualitativen Faktoren wie Analysteneinschätzungen und der Marktberichterstattung. Dadurch erhalten wir ein umfassendes Bild darüber, wie die Marktteilnehmer aktuell positioniert sind. Als dritte Säule setzen wir auf einen Mean-Reversion-Ansatz, der darauf basiert, dass Übertreibungen in beide Richtungen immer wieder zurückgeführt werden. Dieser funktioniert, weil die verschiedenen Rohstoffsegmente unterschiedlichen Marktzyklen unterliegen. Durch diese antizyklische Positionierung kann selbst in einem langfristigen Seitwärtsmarkt, ein zusätzlicher Performancebeitrag erzielt werden. Erst die Kombination dieser drei Säulen ermöglicht es uns, Chancen systematisch zu identifizieren und gleichzeitig Risiken zu managen.
Warum sollten Anleger Rohstoffe in ihr Portfolio aufnehmen?
Liebig: Depots bestehen in der Regel überwiegend aus Aktien und Anleihen. Rohstoffe stellen jedoch eine eigenständige Assetklasse dar und können ein traditionelles Portfolio sinnvoll ergänzen. Der wichtigste Vorteil liegt in der Diversifikation. Die Ertragsquellen von Rohstoffen unterscheiden sich deutlich zu traditionellen Kapitalanlagen. Dadurch weisen Rohstoffe langfristig oft nur eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen auf. Eine Beimischung kann deshalb das Gesamtrisiko eines Portfolios reduzieren und gleichzeitig die risikoadjustierte Rendite erhöhen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Inflationsschutz. Während steigende Rohstoffpreise häufig selbst Auslöser höherer Inflation sind, können Rohstoffinvestments von dieser Entwicklung profitieren. Dadurch wirken sie stabilisierend, wenn klassische Anleihen unter steigenden Inflations- und Zinserwartungen leiden. Nicht zuletzt bieten Rohstoffe Zugang zu langfristigen globalen Megatrends. Die Energiewende, der Ausbau der Stromnetze, Elektromobilität, Digitalisierung oder der steigende Energiebedarf der KI-Rechenzentren führen zu einer strukturell hohen Nachfrage nach zahlreichen Rohstoffen.
Sie investieren bewusst nicht in Agrarrohstoffe. Warum?
Liebig: Unser Fokus liegt auf Edelmetallen, Industriemetallen und Energierohstoffen, weil wir hier die attraktivsten langfristigen Rendite- und Diversifikationseigenschaften sehen. Agrarrohstoffe sind hingegen häufig von kurzfristigen Wetterereignissen, Ernteausfällen oder politischen Eingriffen geprägt. Diese Faktoren sind nur eingeschränkt prognostizierbar und erhöhen die Schwankungsanfälligkeit eines Portfolios. Gleichzeitig möchten wir aus Nachhaltigkeitsüberlegungen nicht in Grundnahrungsmittel investieren. Mit unserem Schwerpunkt auf Metallen und Energie konzentrieren wir uns auf jene Rohstoffe, die eng mit der globalen Wirtschaftsentwicklung, technologischen Innovationen und der Energiewende verbunden sind.
Für welchen Anlegertyp eignet sich der 3 Banken Commodities?
Liebig: Der Fonds richtet sich an Anleger, die ihr bestehendes Portfolio gezielt um eine weitere Assetklasse erweitern möchten. Er eignet sich insbesondere als Beimischung zu klassischen Aktien und Anleiheportfolios. Gerade in einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit, struktureller Inflation und großer Investitionen in Infrastruktur und Energiewende können Rohstoffe einen wertvollen Diversifikationsbeitrag leisten. Durch den aktiven Managementansatz erhalten Anleger Zugang zu einem professionell gesteuerten Rohstoffportfolio, ohne selbst die komplexen Zusammenhänge der einzelnen Rohstoffmärkte analysieren zu müssen.
Wie lautet Ihr Ausblick für die kommenden Jahre?
Liebig: Bei Gold sehen wir neben geopolitischer Unsicherheit, hohen Staatsschulden und der Funktion als Wertspeicher zunehmend den sogenannten „Debasement Trade“ als wichtigen Treiber. Damit ist die Nachfrage nach knappen realen Vermögenswerten gemeint, wenn Anleger angesichts hoher Verschuldung und expansiver Fiskalpolitik eine langfristige Erosion der Kaufkraft von den sogenannten Fiat-Währungen (staatlich ausgegebene Währungen ohne materielle Deckung) befürchten. Gold ist hierfür besonders geeignet, da es unabhängig von der Bonität eines einzelnen Staates ist. Diese These wurde zuletzt durch die Entwicklungen am US-Anleihemarkt wieder verstärkt. Nachdem die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen deutlich gestiegen waren, hat US-Finanzminister Scott Bessent die Anleiherückkäufe des US-Treasury für Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren auf mindestens 4 Mrd. USD je Operation verdoppelt. Gleichzeitig stellte er eine Strategie in Aussicht, bei der langfristige Anleihen zurückgekauft und dafür verstärkt kurzfristige Treasury Bills emittiert werden. Dieser sogenannte „Treasury Twist“ erinnert an die frühere „Operation Twist“ der US-Notenbank und zielt darauf ab, den Druck am langen Ende der Zinskurve zu reduzieren.
Aus unserer Sicht ist dabei weniger die unmittelbare Größe der Maßnahmen entscheidend, sondern das Signal an den Markt. Wenn die Politik beginnt, steigende langfristige Finanzierungskosten aktiv zu begrenzen, verstärkt dies die Diskussion über die langfristige Glaubwürdigkeit der US-Fiskalpolitik und damit auch den „Debasement Trade“. Gleichzeitig erhöhen viele Notenbanken ihre Goldbestände und diversifizieren damit ihre Währungsreserven. Wir sehen darin eine strukturelle Unterstützung für die Goldnachfrage.
Bei den Industriemetallen sehen wir ebenfalls ein sehr interessantes langfristiges Umfeld. Die Nachfrage wird unter anderem durch Elektrifizierung, Energiewende, Digitalisierung, Infrastruktur und den Ausbau von Rechenzentren getrieben. Gleichzeitig ist das Angebot vieler Metalle nur sehr begrenzt flexibel. Neue Minenprojekte benötigen oftmals viele Jahre bis zur Produktion, hinzu kommen hohe Investitionskosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Gleichzeitig wurden zuletzt wenige große Projekte gestartet. Treffen eine steigende Nachfrage und ein unelastisches Angebot aufeinander, kann daraus ein struktureller Aufwärtsdruck bei den Preisen entstehen.
Auch Energierohstoffe bleiben trotz der Energiewende relevant. Öl und Erdgas werden noch über viele Jahre benötigt. Neben geopolitischen Faktoren spielt zunehmend der strukturell steigende Energiebedarf der Weltwirtschaft eine Rolle. Ein wichtiger zusätzlicher Treiber ist die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie. Erdgas wird aufgrund seiner flexiblen Einsatzmöglichkeit weiterhin eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen.
Nähere Informationen finden Sie hier:
3 Banken Commodities
Hinweis: Das Nettovermögen kann aufgrund der Portfoliozusammensetzung oder der verwendeten Portfoliomanagementtechniken unter Umständen eine erhöhte Volatilität aufweisen.
Hinweis: Im Rahmen der Anlagepolitik investiert der 3 Banken Commodities hauptsächlich in Anteile an anderen Investmentfonds.