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„Gewinne, Geopolitik, Notenbanken – darauf gilt es weiter zu achten“

Im Interview erläutert Mag. Werner Leithenmüller das aktuelle Umfeld im Aktienbereich.

„Gewinne, Geopolitik, Notenbanken – darauf gilt es weiter zu achten“

Fondsjournal: Hr. Leithenmüller, worauf gilt aktuell Ihr besonderer Blick? Werner Leithenmüller: Der Start der US-Gewinnberichtssaison für das dritte Quartal 2022 ist dieses Mal von besonderer Bedeutung, da dieser einen ersten Einblick gibt, welche Spuren die äußerst aggressive Zinspolitik der US-Notenbank in den Ergebnissen der Unternehmen hinterlässt und wie sich vor allem der unternehmensindividuelle Ausblick gestaltet.
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Wir möchten festhalten, auch wenn die sogenannte „Earningsseason“ noch in vollem Gange ist, dass die Zinspolitik bereits Wirkung zeigt. Die Umsätze der zwölf Branchen des breiten US-Aktienindex stiegen bis dato – vor allem getrieben von der hohen US-Inflationsrate – um ca. 11 %; während die Gewinne stagnieren, was ja auch durchaus der Intention der Notenbank, die Konjunktur abzukühlen, entspricht.

 

Was kann man auf Sicht daraus ableiten?
Leithenmüller: Waren die Ergebnisse zu gut, wird es die FED in ihrem Tun bestärken, zukünftig weiter hawkish, mit noch stärkeren Zinsschritten, voranzugehen; sind die Ergebnisse zu schlecht, fürchten die Anleger, dass die Notenbank mit ihrer Politik zu weit gegangen ist und es zu einer stärkeren Rezession kommen könnte. Das Optimum läge in der Mitte – dort, wo die Ansprüche der FED und die Erwartungen der Anleger in etwa erfüllt sind. Aktuell gibt es bei den Umsätzen und Gewinnen leichte Überraschungen, so dass der Markt einerseits gut gestützt ist und andererseits die Notenbank keinen Grund findet, noch aggressiver vorzugehen. Ziel dieser Übung der Notenbank muss es daher sein, für die teilweise überhitzte US-Konjunktur ein Softlanding zu bewerkstelligen, sprich ein zu starkes Abgleiten in die Rezession zu vermeiden. Ob das gelingen wird, kann gegenwärtig noch nicht beantwortet werden. Die Wahrscheinlichkeit für eine US-Rezession im Jahr 2023 beläuft sich auf aktuell ca. 60 %.


Wie stark ist der geopolitische Einfluss?
Leithenmüller: Den Russland-Ukraine-Krieg wollen wir nicht kommentieren und bewerten, da dessen Ausgang vollkommen ungewiss ist. Eine abgeänderte US-Politik, ausgehend von den sogenannten Zwischenwahlen, den US-Mid-Term-Elections, könnte die Finanzierung der Kriegshandlungen aber deutlich ändern; insofern ist das ein Punkt, dem wir Beachtung schenken. Beachtung schenken wir auch der Entwicklung in China einerseits, und dessen Beziehung zu den USA andererseits. Präsident Xi wurde, in einer Zeit steigender Handelsstreitigkeiten mit den USA, für eine dritte Periode wiedergewählt. Vertraute und in der Regel Hardliner wurden befördert, während wirtschaftsorientierte Reformer nicht zum Zug kamen. Vor diesem Hintergrund sind kaum neue Wirtschaftsimpulse zu erwarten; auch eine Beibehaltung der Zero-Covid-Politik bleibt wahrscheinlich. Unser Hauptaugenmerkt gilt jedoch dem Chip-Exportverbot der USA. Die US-Administration treibt diesen Konflikt immer weiter voran, die Taiwanfrage bleibt auch ungelöst und wird von Zeit zu Zeit wieder in den Fokus rücken. Der dritte politische Konflikt zeichnet sich vorerst unter der Oberfläche ab. Die Stimmung zwischen Saudi-Arabien und den USA ist getrübt. Die OPEC führte – für die wahlkämpfenden US-Demokraten genau zur Unzeit, eine Förderquotendrosselung durch und wollte mit dieser nicht nach den Wahlen zuwarten. Ein möglicher Antrag Saudi-Arabiens, den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) beizutreten, wird aller Voraussicht nach zähneknirschend von den USA zur Kenntnis genommen werden.

 

Was tut sich auf Ebene der globalen Notenbanken?
Leithenmüller: Die Bank of Japan und ebenso die Bank of England sind aktuell förmlich gezwungen, ihre Währungen zu stützen und den Anstieg der Zinsen in Zaum zu halten. Blickt man auf England, so plante die bereits zurückgetretene britische Regierung unter Lizz Truss massive Steuerermäßigungen, die über Schulden hätten finanziert werden müssen. Stark steigende Zinsen und eine Abschwächung des Pfunds führten dazu, dass dieses Vorhaben innerhalb kürzester Zeit abgesagt werden musste, mit der Folge, dass die Bank of England den Anleihenmarkt mit massiven Stützungskäufen zu beruhigen versuchte, was rückblickend auch gelang. Etwas anders gelagert ist die Lage in Japan; dort betreibt man die sogenannte Yield-Curve-Controll; man kontrolliert beziehungsweise fixiert die Zinsen in den jeweiligen Laufzeiten. Während die Verschuldung immer mehr steigt, schwächt sich der Yen immer mehr ab, was die Notenbank zu verhindern versucht. Langfristig wird die Bank of Japan dieses Unterfangen beenden und in einem ersten Schritt höhere Zinsen zulassen müssen; möglicherweise mit neuen Bandbreiten. Der Zeitpunkt bleibt aber offen.

 

Mit Beginn November startet der Laufzeitenfonds 3 Banken Energiewende 2030. Gibt es nach der Zeichnungsfrist neue Erkenntnisse?
Leithenmüller: Nein, wie immer bei Laufzeitenfonds nutzen wir die Phase der Zeichnungsfrist, um das Startportfolio den jüngsten Entwicklungen anzupassen und zu optimieren. Psychologisch ist es immer schwierig in solchen turbulenten Marktphasen zu investieren, historisch betrachtet waren das aber häufig die besten Einstiegszeitpunkte. So sind etwa die Bewertungen von soliden Unternehmen wie Schneider Electric, Linde oder Orsted, dem Weltmarktführer für Offshore-Windenergie, zuletzt deutlich attraktiver geworden. Auch wachstumsstarke Unternehmen wie Infineon litten in den vergangenen Monaten unter der Zinswende. Eine Stabilisierungstendenz ist hier jedoch erkennbar, was auch bei diesen Unternehmen interessante Einstiegsniveaus bietet. Bei einer Fondslaufzeit von acht Jahren verliert das zugegeben wichtige Timing des Fondsstartes an Bedeutung. Wir werden das Risiko aber dahingehend reduzieren, indem wir nur schrittweise investieren, auch um die Berichtsaison einiger Unternehmen noch abzuwarten. Wir sind insgesamt von den Perspektiven mit Blickrichtung 2030 mehr denn je überzeugt.

 

3 Banken Energiewende 2030

Hinweis: Im Rahmen der Anlagepolitik des 3 Banken Energiewende 2030 kann die Veränderung der Aktienquote (Aktienmarktrisikosteuerung) durch direkten Verkauf von Finanzinstrumenten oder durch den Einsatz von Derivaten erfolgen.

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