Fondsjournal: Was tut sich an der Leitzinsfront?
Hannes Marschalek: Die geldpolitische Landschaft in der EU und den USA hat im Juni 2026 eine Kehrtwende vollzogen, die maßgeblich durch geopolitische Verwerfungen wie den Iran-Krieg und einen Führungswechsel an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve geprägt ist. Nachdem die EZB unter Christine Lagarde den Leitzins im Zuge sinkender Inflationsraten bis auf 2,00 % heruntergeschleust hatte, zwang ein energiegetriebener Inflationsschub die Währungshüter in Frankfurt zu einer Umkehr. Im Juni hob der EZB-Rat den maßgeblichen Einlagesatz um 25 Basispunkte auf 2,25 % an. Dies war die erste Zinserhöhung der EZB seit fast drei Jahren. Die Märkte erwarten einen weiteren Zinsschritt im Herbst.
Während also die Europäische Zentralbank nach einer Phase der Entspannung die Zinsen wieder anheben musste, vollzieht die FED unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh eine tiefgreifende institutionelle und kommunikative Reform. Bei der mit Spannung erwarteten ersten Sitzung unter neuer Führung am 17. Juni beließ die FED den US-Leitzins in der Spanne von 3,50 % bis 3,75 %. Es war die vierte Zinspause in Folge. Die neuen Projektionen der Notenbanker zeigten ein unerwartet „falkenhaftes“ Bild. Der Median für den Leitzins Ende 2026 wurde von zuvor 3,4 % auf 3,8 % angehoben. Damit ist der Spielraum für Zinssenkungen komplett vom Tisch. Stattdessen bereitet die FED die Märkte auf eine Zinserhöhung im zweiten Halbjahr vor, da die Inflationsprognose für das Jahresende deutlich auf 3,6 % nach oben korrigiert wurde. Besonders interessant ist aktuell aber auch, dass Kevin Warsh als neuer Chef der mächtigsten Notenbank der Welt binnen weniger Wochen seinen Stempel aufdrückt. Für die Märkte bedeutet sein neuer Kurs – weg von der transparenten Vorankündigung, hin zu diskreten, datenunabhängigeren Entscheidungen – zunächst deutlich mehr Volatilität und Nebel. Indem er sich dem Zinsdrang des Präsidenten verweigert, rettet er aber vorerst die institutionelle Glaubwürdigkeit der FED. Es bleibt abzuwarten, wie lange Trumps aktuelle, überraschende Geduld anhält, wenn die Zinsen im Herbst tatsächlich weiter steigen sollten.
Wie ist das aktuelle Umfeld im Anleihebereich?
Marschalek: Die Halbjahresperformance unserer globalen Anleiheportfolios liegt bei rund 1,5 % und damit leicht unter unseren Erwartungshaltungen zu Jahresbeginn. Das aktuelle Anleihen- und Zinsumfeld ist weiterhin von geopolitischen Spannungen, einer veränderten Inflationsdynamik und der vorsichtigen Zinspolitik der großen Zentralbanken geprägt. Während der Markt nach den Kursverlusten zu Quartalsbeginn eine Stabilisierung sucht, bieten die aktuell erhöhten Ausgangsrenditen aber eine historisch attraktive Basis für Anleiheinvestoren. Zwar ist festzuhalten, dass sich die Risikoaufschläge seit Ende März deutlich eingeengt haben und damit wieder auf den Niveaus des Jahreswechsels handeln, der Anstieg der Basisrenditen in den vergangenen Monaten macht das Gesamtpaket aber wieder interessanter. So hat sich die Rendite beispielsweise eines BBB-Bondindex seit Jahresbeginn um rund 0,2 % erhöht, die Rendite europäischer Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Rating liegt im Schnitt bei 3,50 %, die Rendite unserer Anleiheportfolios insgesamt im Schnitt bei 4,5 %.
Wie wird die 3 Banken Zinschance 2031 aus heutiger Sicht aufgestellt sein?
Marschalek: Natürlich kann sich bis zum Fondsstart Anfang August noch einiges an den Konditionen am Markt ändern und damit auch unsere Einschätzung zu den jeweiligen Assetklassen. Aus jetziger Sicht planen wir, den Großteil des Portfolios im soliden Investmentgrade-Segment zu investieren. Wobei wir hier auch einen Fokus auf nachrangige Emissionen legen. Insbesondere bei sehr soliden Namen macht es Sinn, bei der Seniorität tiefer zu gehen – hier setzen wir speziell auf Hybridanleihen mit einer hohen Kündigungswahrscheinlichkeit zum Zeitpunkt rund um die Endlaufzeit des Fonds. So können wir trotz geringer Ausfallswahrscheinlichkeiten die Rendite des Portfolios doch beträchtlich optimieren. Ein weiterer Schritt zur Optimierung ist die Beimischung von Hochzinsanleihen, die wir aktuell mit rund 20 % des Portfolios planen. Hier liegt der Ratingschwerpunkt im BB-Segment. Es fallen jedoch auch solide Emittenten darunter, wie beispielsweise das italienische Energieunternehmen Enel, deren Hybridanleihen im Abwicklungsfall gegenüber normalen Seniorbonds schlechter gestellt und daher auch mit einem niedrigeren Rating ausgestattet sind. Mit lediglich rund 10 % ist derzeit die Beimischung von Emerging Market Anleihen geplant. Um eine professionelle Streuung zu gewährleisten, setzen wir bei dieser Assetklasse verstärkt auch auf US-Dollar-Anleihen, wobei das Währungsrisiko mittels Devisentermingeschäften abgesichert wird.
Bei den Ertragsaussichten auf das Gesamtportfolio kann sich bis zum Fondsstart hinsichtlich Risikoprämien und Basiszinsen natürlich noch etwas ändern. Unter den aktuellen Bedingungen sehen wir eine Zielrendite um die 4 % vor Kosten als realistisch an.
Nähere Informationen finden Sie hier:
3 Banken Zinschance 2031
Hinweis: Eine Ausgabe von Anteilsscheinen erfolgt ausschließlich per Fondsstart 03. August 2026!
Hinweis: Marktbedingte geringe oder sogar negative Renditen von Geldmarktinstrumenten bzw. Anleihen können den Nettoinventarwert des Investmentfonds negativ beeinflussen bzw. nicht ausreichend sein, um die laufenden Kosten zu decken!