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Aktienmarktblase? Faktencheck!

Editorial I Fondsjournal Juni 2021

Aktienmarktblase? Faktencheck!

Aktienkurse sind nicht berechenbar, Bewertungsmodelle sind vielfältig, die unterlegten Annahmen sind Meinung und Ansichtssache. Kein Supercomputer und keine Universität der Welt konnten bisher ein Prognosemodell mit Volltreffergarantie entwickeln, weil man die Zukunft nicht vorhersehen kann. Logisch ist auch, dass gerade mit dieser Erkenntnis viel Spielraum für Emotionen entsteht, rein persönliche Wahrnehmungen und vor allem auch für sehr oberflächliche Analysen.
Quellangabe (Shutterstock)

Nur weil etwas gestiegen ist, muss es nicht teuer sein. Nur weil etwas gefallen ist, muss es nicht billig sein. „Ich kaufe nicht am Höchststand“ ist eine besonders oft gewählte und auch fatale Formulierung. Wissen Sie, wie viele Höchststände eine symbolische Microsoft-Aktie in den vergangenen 10 Jahren hatte? Bei einer Aktie, die heute nahe All-Time-High steht, hätte sich ein Kauf bei jedem der ungezählten Höchststände der Vergangenheit gerechnet. Auch wir kennen die Zukunft nicht, ebenso haben wir keine Glaskugel. Die Demut vor dem Finanzmarkt ist einer unserer Leitsätze. Eine unserer Stärken ist es aber, die Emotion aus den Diskussionen zu nehmen und eine nüchterne Analyse durchzuführen.

 

 


 

 

 

 

EIN FAKTENCHECK

Bei vielen Entscheidungen kann eine einfache Checkliste zur Sicherstellung einer breiten und sachliche Analyse helfen. „Sind die Aktienmärkte
in einer Blase?“ „Kommt jetzt die große Inflation?“ Auf diese beiden Fragen konzentrieren sich die aktuellen Diskussionen. Allein in der Formulierung einer Frage schwingt oft schon eine vorgefertigte Meinung mit – meist unbewusst, aber doch..

Wir versuchen daher ausgehend von den historischen Erfahrungen einen Faktencheck. Was wären zehn mögliche Merkmale einer Blase am Aktienmarkt?

1) Die Anlegerstimmung ist euphorisch, die Diversifikation nimmt ab, jeder ist investiert.

NEIN. Trifft nicht zu.  Eher das Gegenteil ist der Fall. Zögerliches Hinterfragen steht vor oberflächlicher Euphorie. Kaum jemand ist voll investiert. Zu viel Cash auf der Seite ist Standard, kein Cash ist die Ausnahme.

2) Ein Paradigmenwechsel findet statt: „Diesmal ist alles anders“.

TEILWEISE.  In manchen Einzeltiteln aus der Ecke Batterietechnologie, Elektroauto, Wasserstoff oder „Green Energy“ wurden zukünftige Wachstumszahlen in einer aktuell unzulässigen Dimension eingepreist. Die Korrektur in den vergangenen Wochen hat vieles davon bereinigt. Es ist zudem ein sehr gutes Zeichen, wenn Übertreibungen in Nischen abgebaut werden – und der Gesamtmarkt sich davon völlig unberührt zeigt. Aus einzelnen Branchen eine Gesamtmarktmeinung abzuleiten ist nicht zulässig.

3) Fusionen und Übernahmen sind auf Rekordkurs, es gibt unternehmerische Überinvestitionen.

NEIN. Trifft nicht zu.  Fusionen und Übernahmen sind Teil des Wirtschaftslebens. Eine auffällige Häufigkeit im Vergleich zu den vergangenen 10 oder 20 Jahren gibt es nicht. Auch bei den Investitionen herrscht in der Regel die gebührende Vorsicht.

4) Es gibt keine Aktienrisikoprämie.

NEIN. Trifft nicht zu.  Die Aktienrisikoprämie bemisst den Vorsprung der Aktienrendite zur risikolosen Rendite der Staatsanleihen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von beispielsweise 20 ergibt sich eine Aktienrendite von 5 %.

Demgegenüber steht eine Rendite bei 10-jährigen Staatsanleihen von „Null“ in der Euro-Zone und etwa 1,6 % in den USA. Im 20-Jahresvergleich ist die Aktienrisikoprämie in Europa und in den Emerging-Markets attraktiv hoch und liegt über dem historischen Schnitt. In den USA ist aufgrund höherer Aktienbewertungen und höherer Zinsen dieser Vorsprung geringer und liegt leicht unter dem historischen Schnitt, aber auch deutlich von Blasenniveau entfernt.

5) Die Anleiherisikoprämien steigen.

NEIN. Trifft nicht zu.  Steigende Renditen bei klassischen Unternehmensanleihen oder Hochzinsanleihen wären ein Signal, welches Aktienanleger besonders sorgsam verfolgen müssten. Verlangen die Anleihekäufer und Kreditgeber höhere Zinsen, so wäre es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch der Aktienkurs wiederspiegeln würde. Aber dies ist aktuell nicht in Ansätzen zu erkennen. Unternehmensanleihen waren zuletzt solide, Hochzinsanleihen hatten sogar Rückenwind. Beide Segmente entwickelten sich 2021 besser als klassische Staatsanleihen.

6) Anleihen sind fundamental billig und werden eine Konkurrenz für Aktien.

NEIN. Trifft nicht zu.  In vielen Branchen liegen die Dividendenrenditen deutlich vor den Anleihezinsen. Auch in den USA kann das aktuelle Renditeniveau der Staatsanleihen für temporäre Schwankungen sorgen; eine echte Alternative zum Aktienmarkt ist dies aber nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kapitalströme massiv von Aktien Richtung Anleihen ziehen, ist sehr gering; vor allem auch angesichts der aktuellen Inflationserwartungen, wo vereinfacht dargestellt aus den drei Möglichkeiten Cash-Anleihen-Aktien der Aktienmarkt im Zweifel vorzuziehen ist, egal ob man von temporär oder längerfristig höheren Inflationserwartungen ausgeht.

7) Unternehmensgewinne werden irrelevant.

TEILWEISE.  Für die beschriebenen Nischen wie Batterietechnologien oder Wasserstoff mag es zutreffen.  Auch fällt auf, dass es zuletzt „leeren Börsenmänteln“ - sogenannten SPACs - gelingt Anlegergelder einzusammeln. Aber von einem breiten Marktphänomen sind wir weit entfernt. Im Gegenteil: Viele der bekannten Digitalisierungsmultis sind wahre Gewinnmaschinen. Auch hier ist der Schluss von Nischenthemen auf den Gesamtmarkt nicht zulässig.

8) Private Kleinanleger dominieren.

TEILWEISE.  Das Phänomen, dass sich Kleinanleger in den USA in Internet-Foren zusammenschließen, hat mehr den Charakter eines Computerspiels denn einer Anlagestrategie. In den schon mehrmals beschriebenen Nischen tummeln sich viele Kleinanleger. Aber das gab es immer schon, die Themen wechseln von Solarenergie in den frühen Jahren, Seltenen Erden bis 3D-Drucker. Auch wenn es eine Wiederholung ist: Nischen sagen nichts aus über die Gesamtmarktverfassung.

9) Keine Marktbreite.

NEIN. Trifft nicht zu.  Eher das Gegenteil ist der Fall, die Marktbreit hat sich zuletzt sogar verbessert. Standen in den ersten Monaten nach Ausbruch der Corona-Pandemie vor allem die „Stay-at-Home-Aktien“ und die Digitalisierungsgewinner im Vordergrund, so hat sich dies zuletzt deutlich verändert – zum Positiven. Value-Titel feierten ein bemerkenswertes Comeback, Minen sind wieder gefragt, Europa hat sich stabilisiert, Nachzügler wie Österreich zeigen einen rasanten Aufholprozess.

10) Unternehmen verkaufen eigene Aktien.

NEIN. Trifft nicht zu.  Die Rückkäufe eigener Aktien sind auf unverändert stabil hohem Niveau.

DIE WICHTIGE DIFFERENZIERUNG

Jeder erfahrene Börsianer weiß, dass es temporäre Korrekturen immer geben kann, gerade auch in den Sommermonaten. Die Begründungen werden dann nachgeliefert und dann als „logisch“ kommentiert, von US-Zinsen bis zur Inflationsdiskussion. Gerade dann ist es entscheidend zu differenzieren: Ist es eine normale gesunde Korrektur?  Oder das Platzen einer Blase?

Für letzteres sehen wir in Summe keine Anzeichen. Ein nüchterner 10-Fakten-Check sollte Ihnen dabei auch in Zukunft helfen.

Ihr Alois Wögerbauer

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