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Anleihen – eine Asset-Klasse kehrt zurück

Interview I Fondsjournal Mai 2022

Anleihen – eine Asset-Klasse kehrt zurück

Die ersten Monate des Jahres 2022 brachten teilweise historische Bewegungen am Anleihemarkt mit klar steigenden Renditen. Die Richtung war absehbar, die Dimension ist aber überraschend. Im Interview diskutieren unsere Anleihefondsmanager Andreas Palmetshofer und Constantin Latzelsperger das aktuelle Umfeld.
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Fondsjournal: Anleiheinvestoren kommen 2022 nicht zur Ruhe. Die Kursverluste haben sich im April nochmal ausgeweitet. Hat sich die Anleihewelt neu definiert, was ist passiert?

​​​​​Andreas Palmetshofer: Die Welt der Anleihen hat sich tatsächlich verschoben, und das in einer Geschwindigkeit, die vermutlich ziemlich jeden Marktteilnehmer überraschte. Letztendlich sind es die Notenbanken, die auf die doch hartnäckigen Inflationsraten reagieren, nachdem mittlerweile klar ist, dass diese sich nicht so rasch zurückbewegen, wie es ursprünglich angenommen wurde. Die Argumente für höhere Teuerungsraten haben sich eher verdichtet und sorgten auch dafür, dass die längerfristigen Inflationserwartungen unter den Marktteilnehmern und Konsumenten gestiegen sind. Genau das führte zu einer Neubewertung der Anleihewelt.

Constantin Latzelsperger: Schon Anfang des Jahres lag die Inflation in Europa sowie den USA deutlich über den Zielen der Zentralbank. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben Sorgen um die Energie und Nahrungsmittelversorgung diese Problematik noch einmal verstärkt. Darauf reagierten sowohl Märkte als auch Zentralbanken. Die US-FED hat bereits den ersten Zinsschritt gesetzt und Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Schritten bzw. mit einem Leitzinssatz von 2,75% zum Jahresende. Auch die EZB fährt ihr Anleihenkauf-Programm schneller zurück und es ist mit Zinsanhebungen zu rechnen.

Wie ist das einzuordnen? Stehen wir vor einem neuen Zinstrend, begleitet durch weiteren Zinserhöhungen der Notenbanken?

Palmetshofer: Grundsätzlich ist diese Entwicklung, wenn auch für bestehende Investoren eine schmerzvolle Phase, zu begrüßen. Denn obwohl sich die Investoren intensiv mit dieser Ausnahmesituation bei den Zinsen beschäftigten, gewöhnte man sich schon fast an den Umstand, dass der Anleger eine negative Rendite zu akzeptieren hat. Diese verkehrte Zinswelt wird nun bereinigt, und das ist gut so. Die Anleger bekommen wieder eine Prämie dafür, dass sie ihr Geld anbieten. Inwieweit noch weitere Zinsanstiege zu erwarten sind, ist wie immer von sehr vielen Faktoren abhängig. Es ist eine Tatsache, dass sich die Notenbanken als Währungshüter mit dem Liquiditätsabzug zurecht entsprechend in Position gebracht haben, schließlich steht ihre Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Dass wir allerdings vor einem mehrjährigen Zinsanhebungszyklus stehen, daran glauben wir nicht.

Steigen dadurch nicht die Gefahren für die Schuldner? Können sich die Staaten bzw. Unternehmen höhere Zinsen überhaupt leisten? Die Zinsvorsprünge für Unternehmensanleihen sind ja gestiegen.

Latzelsperger: Probleme an der Staatsschuldenfront sehen wir derzeit noch keine, die Staaten haben die Restlaufzeiten ihrer Schulden ja deutlich verlängert, weshalb sich Zinsanstiege verzögert auf das Budget auswirken. Natürlich kennen wir unsere Sorgenländer, allerdings muss man sich wegen dieser Zinsbewegungen den Kopf nicht zerbrechen. Etwas angespannter ist die Lage in den USA, die bereits  durch den Zinsanstieg und die gestiegene Verschuldung steigende Zinskosten haben. Wir beobachten das, machen uns aber keine großen Sorgen.

Palmetshofer: Ähnliches gilt für Unternehmensanleihen. Wir beobachten und erwarten uns auch keine zusätzliche Nervosität aufgrund der höheren Refinanzierungskosten. Der aktuelle Zinsvorsprung erklärt sich eher aus der Summe der aktuellen Entwicklungen, sprich Wachstumsabschwächung, Margendruck durch Inflation, und natürlich auch die wegfallende Unterstützung durch die Notenbanken.

Die Kurse gängiger globaler Anleihenindizes liegen 2022 beinahe zweistellig im Minus. Wer sind die größten Verlierer in diesem Umfeld, bzw. gab es auch Gewinner?

Latzelsperger: Von klassischen Staatsanleihen über gut geratete Unternehmensanleihen bis hin zu High Yield Anleihen, die Liste der Verlierer ist lang. Auch Emerging Markets und Frontiers-Anleihen verzeichneten in den letzten Monaten Kursverluste. Da die Staatsschulden dieser Länder teilweise in Dollar notieren, leiden sie besonders unter dem starken Dollar. Jedoch sind bereits Tendenzen einer Bodenbildung zu erkennen, was ein Investment in diese Länder besonders in Lokalwährungen interessant macht. Eine Assetklasse konnte sich in diesem schwierigen Umfeld besonders gut behaupten, nämlich Inflationsgeschützte Staatsanleihen. Speziell jene mit kurzen und mittleren Laufzeiten konnten ihre ohnehin schon gute Performance noch weiter ausbauen. Auch chinesische Staatsanleihen konnten dieses Jahr ihren Aufwärtstrend ungebrochen fortsetzen.

Wie haben Sie und Ihr Team auf das Umfeld reagiert? Welche Transaktionen bzw. Änderungen Ihrer Anlagestrategie oder Fonds hat es gegeben?

Palmetshofer: Als erster Schritt nach der Invasion wurde in unseren Anleihenstrategien die Cashquote erhöht, um das Marktrisiko allgemein zu senken. Trotz negativer Kontoverzinsung ist sie eine der besten Assetklassen im relativen Vergleich. Mitte April haben wir sämtliches Cash wieder in die Anleihenmärkte zurückgeführt. Ein Teil davon in geldmarktnahen Produkten, weil wir erstens diese Produkte gegenüber echtem Cash sehr attraktiv finden und zum anderen wollten wir noch Reserven zurückhalten.

Latzelsperger: Speziell im 3 Banken Unternehmensanleihen-Fonds haben wir ähnlich reagiert. Das erlöste Cash wurde auch hier mittlerweile wieder reduziert und einerseits der Banken- und Finanzbereich aufgebaut, der künftig von der wieder attraktiveren Zinsmarge profitieren sollte, sowie andererseits auch in bonitätsstarke Emittenten. Dennoch bleibt der Fokus auf BBB-Emissionen weiter aufrecht. Zwar rechnen wir hier selektiv mit Abstufungen auf Ratingebene aufgrund des Margendrucks, wir sind aber zuversichtlich, dass wir durch unsere sehr breite Streuung in diesem Segment eine faire Risikoabgeltung vereinnahmen können. Im High-Yield-Segment sind wir eher vorsichtig und werden die Quote aus jetziger Sicht stabil auf niedrigem Niveau halten.

Ende April startete der neue Laufzeitenfonds 3 Banken Zinschance 2028. Wie gut ist der Fondsstart gelungen und mit welcher Rendite können die Anleger kalkulieren?

Latzelsperger: Die Investitionsphase fand zu einem Zeitpunkt deutlich erhöhter Volatilität statt und wir konnten unsere geplanten Käufe recht erfolgreich und rasch umsetzen. Auf Endfälligkeit 2028 konnten wir damit zu einer Euro-Rendite vor Kosten von rund 2,8% p.a. investieren. Dabei wurden Hochzinsanleihen mit knapp 15% sowie Anleihen aus den Emerging Markets mit rund 13% gewichtet. Der überwiegende Teil wurde im Investmentgrade-Bereich investiert. Wir erachten dieses Niveau auf 6-Jahressicht als recht interessant, wenngleich wir kurzfristig ein Überschießen der aktuellen Bewegung nicht ausschließen können. Aber auch für alle, die beim Start der 3 Banken Zinschance 2028 nicht dabei waren, bietet sich aktuell auch bei unserem 3 Banken Unternehmensanleihen-Fonds ein interessantes Einstiegsniveau. Hier ist der Anteil von Unternehmensanleihen aus dem Investmentgradebereich bei gut 90% und die Rendite mit rund 2,6% ebenfalls auf sehr attraktivem Niveau.

Wie schätzen Sie die nächsten Monate ein?

Palmetshofer: In den kommenden Wochen und Monaten wird es entscheidend sein, das Spannungsfeld zwischen Inflation, Konjunktur und Zinspolitik richtig einzuschätzen. Wir sehen zurzeit recht unterschiedliche Signale bei den Konjunkturindikatoren, unter anderem ein relativ pessimistisches Bild bei den Verbrauchern. Andererseits erleben wir eine recht passable Berichtssaison der Unternehmen. Die Notenbanken, allen voran die amerikanische FED, haben sich entsprechend positioniert und werden wohl auch zunächst eher beobachten und nicht weiter den Ton verschärfen. Eine zu starke Bremswirkung auf die Konjunktur durch die Zinspolitik ist eben auch nicht erwünscht, trotz der hohen Inflationsraten.

Latzelsperger: Ergänzend dazu ist natürlich der Russland-Ukraine-Konflikt laufend zu bewerten. Der  Ausgang bzw. die weitere Entwicklung in diesem Konflikt ist vor allem für Europa entscheidend und hier bleiben wir in der Grundstimmung vorsichtig, bis sich die Lage beruhigt hat. Ein Vergleich der bereits erfolgten Renditeanstiege der Anleihenmärkte in diesem Jahr mit anderen Kalenderjahren, oder mit einer längeren Zeitperiode lassen schon die Erwartungshaltung aufkommen, dass die Märkte einen Großteil abgearbeitet haben. Die Dimension ist heftig, aber das Erfreuliche ist, wir können für unsere Anleger endlich wieder zu positiven Renditen veranlagen.

 

3 Banken Unternehmensanleihen-Fonds (R) (T)

3 Banken Unternehmensanleihen-Fonds (R) (A)

3 Banken Zinschance 2028

 

Rechtshinweis: Etwaige Informationen über die nachhaltigkeitsrelevanten Aspekte gemäß der Offenlegungsverordnung (EU) 2019/2088 stehen dem Interessenten unter www.3bg.at zur Verfügung.

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