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Investieren statt Spekulieren

Editorial | Fondsjournal Februar 2021

Investieren statt Spekulieren

„Use Signal.“ Diese Empfehlung gab Tesla-Chef Elon Musk in den ersten Jänner-Tagen über Twitter und dokumentierte damit seine persönliche Meinung in der Diskussion über die Datensicherheit beim Messenger-Dienst Whats-App, der Teil des Facebook-Konzernes ist. Die Aktien von Signal Advance stiegen darauf innerhalb von zwei Tagen von 4 auf über 40 Dollar. Das Problem nur: Signal Advance ist ein Medizintechnik-Unternehmen und hat mit dem Messenger-Dienst Signal nichts zu tun.
Quelle: Shutterstock

Dieser ist als Non-Profit-Konzept nicht an der Börse notiert. Signal Advance stürzte wieder ab. Gamestop ist ein mäßig erfolgreicher stationärer Händler von Videospielen in den USA. Hedgefonds spekulieren auf weiter fallende Kurse. Viele Tausende, in der Regel jüngere Kleinanleger, organisieren sich in Internetforen und spekulieren dagegen. Der Kurs steigt von etwa 20 auf 350 Dollar. Ein einzelner Hedge-Fonds verliert Milliarden, die Community jubelt. Hollywood wird die Ereignisse dieser Tage wohl in wenigen Jahren verfilmen. Berge an Liquidität – in Sekunden beweg bar, diese Herausforderung ist gekommen um zu bleiben. Sind diese Auswüchse intensiv zu beobachten? JA. Ist es ein Grund Ihre und unsere Anlagestrategie neu zu denken? NEIN.

 

 

INVESTIEREN STATT SPEKULIEREN

Breit streuen, Klumpenrisiken vermeiden, nur das kaufen, was man auch versteht, die Bewertungen im Blick behalten. Dies sind unverrückbare Grundsätze jeder langfristigen Geldanlage. Dies mag dann zwischenzeitlich „bieder“ wirken, wenn sich Wasserstoffaktien in wenigen Wochen vervielfachen, Batterieaktien ohne marktreife Produkte nach oben schießen und selbst Versorgeraktien sich verdoppeln, wenn sie „grün“ sind und von der Welle der Indexfonds nach oben getrieben werden. Der Wechsel zwischen „Angst“ und „Gier“ zeigt in den vergangenen zwölf Monaten einen nahezu lehrbuchhaften Verlauf. Sollten die kommenden Wochen daher etwas holpriger werden und manche dieser Blüten der Finanzmarktentwicklung relativiert werden, dann wäre unsere Einschätzung dafür: gesund und wünschenswert.

Wir spekulieren nicht, wir investieren. Wir kennen die Entwicklung der kommenden Wochen nicht, aber wir sind getragen von unseren langfristigen Überzeugungen. Richten wir also unsere Scheinwerfer auf die übergeordneten mittelfristigen Trends.

„ACT BIG“

Jannet Yellen, Chefin des US-Finanzministeriums, verwendete in ihrer Antrittsrede mehrmals den Begriff „act big“. Es ist die Zeit der großen Pakete, so ihre Botschaft. Und diese großen Pakete im Zusammenspiel zwischen dem Präsidenten, dem Finanzministerium und der Notenbank werden kommen. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Staatsverschuldung in Relation zu einer jährlichen Wirtschaftsleistung innerhalb von zwei Jahren auf über 150 % steigen wird. Auch die neue US-Regierung wird „America first“ als Basis haben, sie wird es nur wesentlich geschickter und charmanter formulieren als der Vorgänger-Präsident.

Dies ist eine grundsätzlich gute Nachricht für die US-Wirtschaft. Bei einer Staatsverschuldung von 150 % wird das Interesse an strukturell tiefen Zinsen noch höher sein als je zuvor, was wiederum mittelfristig eine gute Nachricht für den Aktienmarkt ist. Den US-Dollar dürfte diese Politik im Jahresverlauf eher schwächen, da die Euro-Zone in der relativen Betrachtung in dieser Dimension mit der Fiskal- und Geldpolitik der USA nicht mithalten wird können

WIRTSCHAFT BESSER ALS ERWARTET

Gerade in den „trüben Tagen“ eines Lockdowns gilt es erstens abseits regionaler Wahrnehmungen den globalen Blick zu wahren und zweitens darauf zu achten, im Sinne von Gewinnern und Verlierern einer Situation einen gesamthaften Blick zu haben. Dies ist nicht immer leicht, zumal in wenigen Wochen die Corona-Pandemie die Ein-Jahres-Dauer überschritten haben wird.

Dennoch: Laut neuesten Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die Weltwirtschaft im Jahr 2020 nur um weniger als 4 % geschrumpft sein. Dies ist besser als man noch vor einigen Monaten erwarten durfte. Die stabile Lage in China und in wesentlichen Teilen Asiens sowie die Erkenntnis, dass viele Industriebetriebe besser durch die Krise gekommen sind als zu befürchten war, untermauern diese These. Die Erwartungen für 2021 wurden vom IWF angehoben, die jüngsten Schätzungen gehen global von einem Zuwachs von 5,5 % aus. Signale aus vielen Industriebetrieben bestätigen uns diese Grundannahme.

Wenn Autobauer jetzt, wo endlich die Nachfrage klar anzieht, ihre Produktion wieder drosseln müssen, weil es einen Engpass an Speicherchips gibt, dann kann man verwundert die Stirn runzeln. Man kann aber auch daraus ableiten, dass es in vielen Sektoren der Wirtschaft eine Grundnachfrage gibt, die zwar verzögert werden kann, sich aber irgendwann materialisiert. Gepaart mit einer aufgestauten „Konsumlust“, die wir wohl alle mittlerweile in uns tragen, darf das Comeback-Potential der Wirtschaft nicht unterschätzt werden. Viele Bereiche wären auf eine raschere und dynamischere Erholung – siehe Autoindustrie – wohl gar nicht vorbereitet. Der Boden für zwischenzeitlich etwas höhere Inflationsraten ist somit auch gelegt.

Es fällt nicht leicht in einem Umfeld, wo die Virus- und Impfmeldungslage auch immer wieder von Rückschlägen gekennzeichnet ist, sich diese Szenarien zu bewahren. Tun Sie es dennoch. Das Wirtschafts- und Anlagejahr 2021 entscheidet sich ab Sommer – und nicht im Februar.

VORSICHT VOR VERALLGEMEINERUNGEN

Verallgemeinerungen sind nie ein guter Ratgeber. Es gibt nicht DIE Aktien oder DIE teuren Tech-Titel. Ja, es gibt Teilsegmente und Einzeltitel, bei denen sich die Kurse wohl von der Realität zu weit entfernt haben. Für den Gesamtmarkt gilt dies aber nicht. Die jüngsten Umsatz- und Gewinnzahlen von Apple oder Microsoft beispielsweise sind beeindruckend und rechtfertigen Bewertungen im vierstelligen Milliardenbereich. Wir sehen auch nach wie vor Chancen in vielen Value-Titeln. Im Interviewteil unseres Fondsjournals 02 | 2021 erläutern wir auch unsere Überzeugung für Emerging-Markets.

Ihr Alois Wögerbauer

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