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Wachstums-Schock und T.I.N.A.

Editorial | Fondsjournal Mai 2021

Wachstums-Schock und T.I.N.A.

Bemerkenswerte Zeiten führen zu bemerkenswerten Wortschöpfungen. In vielen Berichten internationaler Analystenhäuser wurde im Zusammenhang mit der kräftigen und breiten Konjunkturerholung in den USA das Wort „Wachstums-Schock“ verwendet. Die Kombination aus Basiseffekt, Notenbankaktivitäten, Geldgeschenken an die Bevölkerung und angekündigten Infrastrukturinvestments entfacht ihre mächtige Wirkung.
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Der Internationale Währungsfonds hat im Laufe des April die Konjunkturerwartung 2021 für die USA auf 6,4 % nach oben revidiert. Auch jene für das Wachstum der Weltwirtschaft wurde neuerlich angehoben und liegt nunmehr bei 6 %. China liegt mit einem Plus von über 8 % weiter an der Spitze. Damit erleben jene Regionen, die 2020 einen vergleichsweise geringeren Einbruch hatten, ein beachtliches Comeback. Die EURO-Zone dagegen verzeichnete 2020 mit minus 7 % den stärksten Einbruch und kann aus heutiger Sicht 2021 „nur“ 4,2 % zulegen. Die Erwartung für Österreich liegt darunter und bei zuletzt 3,5 %. Leiten Sie aus allen diesen Zahlen aber keine Automatismen bezüglich Kapitalmarktentwicklungen ab. In einer globalisierten und von Innovationen getriebenen Welt sind Megatrends und Branchenentwicklungen wichtiger als reine Länderzugehörigkeiten.

 

T.I.N.A.

Neben dem Wort „Wachstums-Schock“ fand sich in den beschriebenen Analysen oft auch die Bezeichnung T.I.N.A. –„there is no alternative“. Die Alternativlosigkeit der Aktienanlage ist stimmig zu begründen. Die aktuell laufende Berichtssaison brachte noch zusätzlichen Rückenwind. Die Probleme in manchen Lieferketten sind immer noch vorhanden und werden es vorerst bleiben; wer also liefern kann, hat somit eine beachtliche Preismacht. Wir teilen dieses grundsätzliche Weltbild und sind auch dementsprechend investiert. Aber: Wenn die Dinge zu einfach erscheinen, wenn die Kommentare einseitig werden und wenn ein vor einigen Monaten noch unvorstellbarer Optimismus zur Konsensmeinung wird, dann muss man den symbolischen Zettel nehmen und neben der allseits bekannten Plusliste überlegen, welche Punkte auf einer Minusliste auftauchen könnten. Wir greifen in keiner Weise irgendwelchen Dingen vor, sondern überlegen nur, wo zukünftige Risiken auftauchen können, auf denen man ein Auge haben sollte. Dazu fünf kurze Gedanken.

GEDANKE 1: DIE MARGEN

Die Logik ist klar. Wenn es mehr Nachfrage gibt als Angebot, dann hat der Verkäufer eine beachtliche Preissetzungsmacht. In vielen Produktionsbetrieben steigen die Input-Preise rasant, von Materialien bis Frachtraten. Aktuell liest man aus den Unternehmensberichten, dass diese steigenden Kosten überraschend gut über auch steigende Preise an den Endverbraucher weitergegeben werden können, was die Inflationserwartungen nach oben bewegt. Aber wird dies auf Dauer so bleiben? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ab dem dritten oder vierten Quartal dieses Jahres dann doch in so manchen Quartalsausweisen das Wort „Margendruck“ auftauchen wird.

GEDANKE 2: DIE FINANZIERUNG

US-Präsident Biden will Infrastrukturpakte für die USA jenseits der Marke von 2000 Milliarden Dollar vorantreiben. Dies ist grundsätzlich gut, da die amerikanische Infrastruktur diese Investments dringend braucht. Die positiven Auswirkungen auf einzelne Branchen oder Unternehmen wurden rasch von zahlreichen Analystenhäusern berechnet. Der Zusatz Joe Bidens, dass angedacht ist, diese Investments mit Steuererhöhungen gegenzufinanzieren, sorgte nur für kurzes Stirnrunzeln, wurde aber eher wenig beachtet. Steigende Steuern für Private oder Unternehmen ergeben keinen Börsenrückenwind. Auch auf Ebene der Staaten wird eine Steuerdiskussion nicht ausbleiben können, nicht in den kommenden Wochen, aber mittelfristig führt kein Weg daran vorbei.

GEDANKE 3: DIE INFLATION

Grundsätzlich ist aus Sicht der Politik und der Notenbanken Inflation in jedem Fall besser als Deflation. Steigende Preise bei weniger stark steigenden Zinsen verschaffen eine überzeugende Logik für Investments in Sachwerte. Neben Edelmetallen, Grund und Boden sind dies eben auch Aktien. In der historischen Betrachtung kann man eine Inflationsrate von 2 % bis 3 % als durchaus ideal und sogar wünschenswert bezeichnen. Der Grad von „guter Inflation“ zu „schlechter Inflation“ ist aber schmal. Ein kurzes Überschießen stellt kein Problem dar. Ein längeres Verweilen über beispielsweise 4 % würde die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale mit sich bringen. Die Anleihemärkte würden nervös werden und diese Nervosität würde auch auf die Aktienmärkte überspringen. Zins und Inflation bleiben daher zentrales Thema.

GEDANKE 4: DIE US-ZINSEN

Gerade aus den beschriebenen Argumenten und Entwicklungen, gab es im bisherigen Jahresverlauf steigende Renditen bei 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihen. Auch die Euro-Zone-Renditen bewegen sich etwas nach oben, allerdings nur von deutlich negativ auf weniger deutlich negativ. Ohne wirkliche neue Meldungslage haben sich die US-Renditen in den vergangenen Tagen und Wochen beruhigt, was auch für wieder sehr geringe Volatilitäten am Aktienmarkt gesorgt hat. Ist das Zinsthema damit „abgehakt“? Oder ist es die Ruhe vor dem zweiten Sturm? Beides ist möglich und wird stark von den kommenden Konjunktur- und Inflationszahlen geprägt sein. Dies zu beobachten bleibt tägliche Pflicht.

GEDANKE 5: DIE LIQUIDITÄT

Liquidität ist wichtiger als Realität.“ Dies ist der wohl am häufigsten verwendete Hinweis in unseren Monatskommentaren seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Kapitalströme und die Aktivitäten der Notenbanken sind wichtiger als die realen harten Konjunkturdaten. Diese Überzeugung hat uns dazu geführt, bereits im 2. Quartal 2020 mit den Erhöhungen der Aktienquoten zu beginnen - in einem Umfeld einer Rezession jenseits unserer Vorstellungskraft. Wenn ein Jahr später aus dem „historischen Wirtschaftseinbruch“ nun ein „Wachstums-Schock“ wird, dann darf man diesen Satz jetzt nicht in die Schublade legen: „Liquidität ist wichtiger als Realität.“ Jetzt ist die Meldungslage sehr gut. Würden aber die Notenbanken beginnen, öffentlich über eine Reduktion dieser Liquidität nachzudenken, dann würden die Aktienmärkte dies zumindest temporär höher gewichten, als die guten Zahlen der Konjunktur und der Unternehmen. Wir sehen diese Reduktion aktuell nicht. Gerade deswegen dürfen wir aber diese Grundmechanismen nicht vergessen.

RISIKEN UND CHANCEN

Wir haben aus den Informationen der vergangenen Wochen keine essentiell neuen Erkenntnisse gewonnen und dementsprechend auch keine markanten Strategieänderungen vorgenommen. Die Eckpfeiler stehen: Seien Sie investiert, achten Sie auf eine Ausgewogenheit „Value/Growth“, denken Sie an Sachwerte wie Gold und Kursrückgänge im Anleihebereich können wie zuletzt bei Emerging-Markts auch Kaufchancen sein –ohne Eile und Hektik. Wir haben auch unsere optimistische Grundhaltung nicht revidiert. Wir haben nur sehr bewusst einen Monatskommentar voll den möglichen Risiken gewidmet, einerseits weil die Chancen in den vergangenen Ausgaben hinreichend beschrieben wurden und andererseits, viel Optimismus und Gelassenheit im Markt auch Anlass zum Nachdenken sein sollen. Wir denken nicht, dass diese Risiken unmittelbar schlagend werden. Aber falls doch, dann hilft es, diese Szenarien bereits durchgedacht zu haben, denn nur wer nicht überrascht wird, kann mit ruhiger Hand agieren.

Ihr Alois Wögerbauer

 

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