Ein Problem der heimischen Kapitalmarktumgebung ist auch, dass es sinkende Aktienkurse meist intensiv berichtet in Schlagzeilen schaffen. Steigende Kurse dagegen werden oft wenig bis gar nicht berichtet. Um Wiener Aktien richtig zu verstehen, sind aber drei Punkte zu berücksichtigen.
Erstens: Wer notiert an der Börse?
Ein Kardinalfehler in der Beurteilung ist und bleibt, dass man aus den Zahlen der heimischen Konjunktur oder den Handlungen der heimischen Politik eine Meinung zur Wiener Börse ableitet. Das ist falsch, das eine hat mit dem anderen wenig bis sehr wenig zu tun. Die klar überwiegende Mehrheit der in Wien notierten Unternehmen hat eine geringe Abhängigkeit vom Inland. Es handelt sich um stark in Osteuropa oder global verankerte Geschäftsmodelle, oft Marktführer in ihren Nischen, aber – und das möge hoffentlich beständig so bleiben – mit ihrem Headquarter in Österreich.
Zweitens: Wer investiert?
Wir heimischen Investoren, egal ob Private oder Institutionelle, sind nicht stark genug, um den Kapitalmarkt im Inland nachhaltig zu bewegen. Über drei Viertel der Umsätze an der Wiener Börse kommen von internationalen Investoren. Deren Einschätzung und Wahrnehmung entscheidet daher auf Sicht über das Kursniveau – und nicht unsere. Nach Jahren der Flaute hat beginnend im März 2025 mit dem Konjunkturpaket Deutschlands das Interesse wieder zugenommen. Die Region wird wieder mehr von globalen Investoren interessiert verfolgt – anstatt einzig und allein auf die großen amerikanischen Tech-Riesen zu setzen. Damit gibt es auch wieder Nachfrage nach kleinkapitalisierten Unternehmen, in den Vorjahren oft vernachlässigt. Eine Lösung im Krieg Russland-Ukraine, wenn auch aktuell nicht wirklich in Sicht, wäre ein weiterer positiver Treiber.
Drittens: Was sagt der Index?
Die Mehrzahl der internationalen Indices legen die Gewichtungen der einzelnen Unternehmen je nach Höhe des frei gehandelten Börsenwertes fest, auch in Wien ist dies der Fall. Damit muss man wissen, dass die drei Großbanken ERSTE, Raiffeisen International und BAWAG etwa 40 % der Indexgewichtung ausmachen, mit dementsprechendem Einfluss auf die ATX-Performance. Das bedeutet nicht, dass Sie das in Ihrem Portfolio so umsetzen müssen, auch Fondsmanager streuen aufgrund der Gesetzeslage etwas breiter.
Fazit: Einen Blick Wert…
Aktien sind die beste langfristige Vorsorge. Neben den globalen Investments gibt es auch regionale Champions. ERSTE und Vienna Insurance dominieren in Osteuropa. Voest, Palfinger, Andritz, Wienerberger oder Strabag sind Qualitätsführer in ihren Bereichen. Die Liste lässt sich fortsetzen. Ein kleiner Teil „Patriotismus“ ist daher auch in der Geldanlage angesagt. Wir empfehlen eine Gewichtung von 5 % des Aktienteils.