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Editorial I Fondsjournal März 2026

KI - zwei Seiten einer Medaille

Der renommierte britische Physiker Stephen Hawking, verstorben im Jahr 2018, wurde auch zum Thema Künstlicher Intelligenz befragt, in einer Zeit, in der KI noch eher eine Phantasie der Zukunft war und nicht so wie heute Realität. Seine damalige Antwort lautete: „Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz könnte entweder das Beste oder das Schlechteste sein, was der Menschheit passieren kann.”
Quelle: Shutterstock

Viele Jahre später spiegelten die Aktienmärkte das in den vergangenen Wochen gut wider, je nach Branche positiv oder negativ. Das Problem an disruptiven Entwicklungen ist, dass sie erstens schwer vorherzusehen sind und zweitens dann aber sehr rasch von den Märkten gepreist werden. Dabei wird in der Regel übertrieben – in beide Richtungen, die Wendepunkte kann man nur grob erfassen, aber nicht exakt timen. Gerade in so einem Umfeld sind „hellseherische” Festlegungen und einseitige Meinungen oder Positionierungen die falsche Antwort. Es gibt nur eine richtige Antwort: Diversifikation.

GEDANKE EINS VORWEG…
In den vergangenen Wochen wurde ich wiederholt gefragt, warum die Geopolitik in unseren Monatskommentaren so wenig Platz findet. Das hat drei Gründe – und wird sich auch nicht substanziell ändern. Erstens: Die Planbarkeit ist gering. Welche US-Zölle wie lange und in welcher Höhe halten? Wir wissen es nicht. Der Russland-Ukraine-Krieg geht in diesen Tagen in das fünfte Jahr. Wer hätte das im Februar 2022 geglaubt? Zweitens: Unsere langjährige Berufserfahrung lehrt uns, dass der Einfluss der Geopolitik auf die Finanzmärkte deutlich überschätzt wird. Entscheidend sind nicht regionale Ereignisse, sondern das Wachstum der Weltwirtschaft und vor allem die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Und drittens: „Schuster bleib‘ bei deinen Leisten.“ Wir sind Finanzexperten mit dementsprechender Ausbildung und Erfahrung. Aber wir sollten uns nicht anmaßen, eine qualitativ bessere Einschätzung zur Weltpolitik zu haben als andere Berufsgruppen. Diesem Prinzip folgend leiten wir mit derzeitigem Wissensstand auch aus der aktuellen Eskalation im Nahen Osten keine strategische Allokationsänderungen ab. Mit unserer grundsätzlich breiten globalen Aufstellung inklusive Investments in Gold und Rohstoffe fühlen wir uns gut vorbereitet.

GEDANKE ZWEI VORWEG…
Unabhängig vom aktuellen Umfeld ein Beispiel zur Demonstration und Dimension möglicher Bewegungen. Novo-Nordisk, ein dänisches harmaunternehmen, schaffte mit der ersten Abnehmspritze einen gigantischen Durchbruch mit weltweiter Resonanz. Euphorie und Kursanstiege waren hoch, wohl auch zurecht. Im Sommer 2024 lag der Kurs bei knapp über 1000 DKR. Zwei Jahre später gibt es Konkurrenten, die ein mindestens gleich gutes oder besseres Produkt haben, oder Nachahmer mit billigeren Preisen. In den vergangenen Tagen fiel der Kurs auf unter 250 DKR, ein Minus von 75 % in 20 Monaten; möglich also auch bei einem Konzern von Weltformat. Denken Sie daran, wenn Sie aktuell in der Zeitung lesen, dass Software-Aktien völlig out sind und Hardware-Aktien aus der Ecke Chips oder Speicherkapazitäten in sind. Dies ist nicht mehr als eine korrekte Beschreibung des heutigen Umfeldes, aber keine Prognose für die kommenden Jahre.

KI – ZWEI SEITEN DER MEDAILLE
Gegen Ende 2022 wurde erstmals Chat-GPT vorgestellt. Im Frühjahr 2023 begann ein massiver Aufschwung der Aktienkurse rund um Microsoft, Alphabet, Amazon, META, NVIDIA & Co. Der Begriff der „Glorreichen Sieben“ wurde geschaffen. Die Gewinnentwicklung dieser Unternehmen war und ist ausgezeichnet. Dennoch gab es zuletzt Verunsicherung – und eine nachvollziehbar neue Betrachtungsweise. Der große Vorteil von META & Co war, dass sie als „virtuelle“ Unternehmen vergleichsweise weniger kapitalintensiv waren. Sehr hohe freie Cash-Flows waren die Folge, wesentliche Teile davon wurden in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt, was die Aktienkurse dementsprechend positiv stützte. Der Wettlauf um KI-Infrastruktur, Datenzentren und Energie macht aus wenig kapitalintensiven Unternehmen nun aber sehr kapitalintensive Unternehmen. Microsoft, Amazon, META, Alphabet und Oracle investieren laut jüngsten Aussendungen im Jahr 2026 über 600 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur, um einen Markt der Zukunft zu bedienen, dessen Monetarisierungspotential nur schwer abschätzbar ist. Abschätzbar ist dagegen, dass der freie Cash-Flow deutlich fällt und damit das Geld für Aktienrückkäufe nicht mehr in Hülle und Fülle vorhanden ist, womit ein Kurstreiber wegfällt.
Es spricht nichts dagegen in Amazon, Microsoft & Co weiterhin investiert zu bleiben, wir tun es auch, aber eben nicht in Klumpenrisiken und einseitigen Übergewichtungen. Der breite Markt hat, wie in unserem Jahresausblick skizziert, zuletzt bereits eine deutliche Outperformance gezeigt, viele medial wenig diskutierte Sektoren wie Energie oder Rohstoffe zeigen eine deutlich positive Entwicklung. Daher auch hier die einzig richtige Antwort: Diversifikation

KI UND PRODUKTIVITÄT
Software-Aktien sind die Verlierer des Jahres 2026 mit teilweise deutlichen Kursabschlägen. Gefühlt täglich wird ein neues KI-Tool präsentiert, welches die Erwartung schürt, dass normale Programmierarbeiten zukünftig nicht mehr von Menschen gemacht werden. Mittlerweile halten wir die Kursreaktionen für übertrieben, klarerweise kann ein exakter Boden nicht definiert werden. Andere Branchen und Marktsegmente werden folgen. Womit wir wieder bei den beiden Seiten einer Medaille wären. Die gerade abgeschlossene Berichtssaison der Unternehmen brachte vor allem in den USA ein überzeugendes Ergebnis. Im Jahresvergleich sind die Unternehmensgewinne um 12 % gestiegen. Die Fortschritte in der Produktivität sind überzeugend – und KI wird weitere Produktivitätsfortschritte bringen, was in Summe eine gute Nachricht für den Aktienmarkt ist. Eine durch Produktivität gefühlt starke Wirtschaft birgt aber das Risiko, dass die Einkommen stagnieren und eben breite Teile der Bevölkerung das Gefühl der starken Wirtschaft nicht teilen. Der wesentliche Teil der Wirtschaftsleistung in den USA, sowie auch in unseren Breitengraden, ist aber immer noch dem Konsum zuzuordnen. Womit wir wieder bei Stephen Hawking wären. KI kann „das Beste“ sein, wenn es die Produktivität verbessert, im Medizinbereich etwa ergeben sich neue bahnbrechende Möglichkeiten. KI kann „das Schlimmste“ sein, wenn zu viele Branchen in zu rascher Geschwindigkeit disruptiv verändert werden. Am Ende des Tages brauchen wir kaufkräftige Konsumenten, die Wachstum und Aufschwung tragen.

UNSERE STRATEGIEN IM MÄRZ 2026
Wir sehen keinen Anpassungsbedarf in unseren unterschiedlichen Strategien. Im Anleihebereich bringen Unternehmensanleihen und Emerging-Markets den erwarteten Mehrwert. Die Staatsanleihemärkte haben sich nach der Nervösität 2025 am ganz langen Ende zuletzt beruhigt.

Wir wiederholen unsere Überzeugung, dass die globalen Aktienmärkte die erwarteten Gewinnanstiege im hoch einstelligen Bereich auch in den Kursen widerspiegeln sollten. In den Mischmandaten nutzen wir aktuell die jeweilige Aktienhöchstquote des Kunden zu 85 % aus. Ein kurzer Hinweis zur Markttechnik: Dass ein Riese wir Microsoft in wenigen Wochen fast 20 % korrigiert und dies den Gesamtmarkt unberührt lässt, ist ein sehr gutes Zeichen.

Neben den globalen Kernportfolios entwickeln sich unsere Satelliten Emerging-Markets und regionale Small- und Mid-Caps wie erwartet positiv. Alle Pro-Argumente sind aufrecht, daher bleiben wir investiert. Wir empfehlen eine breite Aufstellung mit offenem Visier ohne Fixierung auf ein Segment. Nur als Beispiel: Auch eine Kupfermine kann eine gute Beteiligung am KI- und Energieboom darstellen. Oft ist der indirekte Weg besser als der direkte.

Auch im Bereich Gold bleiben wir investiert. Wir halten allerdings die Positionen stabil und nehmen bei steigenden Kursen dadurch teilweise Gewinne mit. Damit bleibt als Fazit in einem noch sehr jungen Jahr: Die Kapitalmärkte sind stabiler und ertragreicher als man angesichts der internationalen Meldungslage vermuten würde. Keine neue Erkenntnis.

Ihr Alois Wögerbauer

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