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Zurück Und wieder mal die Geopolitik

Editorial I Fondsjournal April 2026

Und wieder mal die Geopolitik

„Das Einzige, was schwerer vorauszusagen ist als die Finanzmärkte, ist die Geopolitik.” Der renommierte amerikanische Hedge-Fondsmanager Ray Dalio beschreibt damit gut das aktuelle Umfeld. Wenn ein externes Ereignis alles andere negativ überstrahlt, dann sind faktenbasierte Entscheidungen nur schwer möglich, eben weil Fakten in diesem Umfeld nur wenig zählen.
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Die Geschichte lehrt uns, dass in einer solchen Phase hektische Portfolio-Anpassungen ein schlechter Ratgeber sind. Wir raten daher auch diesmal zu einer ruhigen Hand, Voraussetzung ist aber klarerweise eine gut strukturierte globale Diversifikation. Auch bei den oft viel zu schnell angepassten Prognosen ist eine gewisse Vorsicht angebracht. Vor ziemlich exakt einem Jahr wurde nach den Zollankündigen von Donald Trump von vielen Ökonomen eine Rezession vorhergesagt. Eingetreten ist nichts davon, die Weltwirtschaft legte letztendlich um 3 % zu. Auch aktuell erscheinen viele Aussagen überzogen; etwa jene der Internationalen Energieagentur, die von der „größten Energiekrise aller Zeiten” spricht.

DER SCHWIERIGE BLICK IN DIE ZUKUNFT?
Die Unberechenbarkeit der handelnden Personen der Weltpolitik macht einen klaren Blick in die Zukunft schwer bis unmöglich, dennoch ein Versuch. US-Präsident Donald Trump kann an keinem langen Krieg interessiert sein. Die Zustimmung im Inland würde weiter sinken, die Chancen bei den kommenden Zwischenwahlen im Herbst würden schwinden. Allerdings ist die Lage im Iran-Konflikt komplexer als bei den Zöllen, die er anordnen und wenige Tage später wieder aufgeben kann. Es braucht internationale Abstimmung, vor allem mit Israel. Auch viele Golfstaaten sind an einer Lösung interessiert, da das in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaute Geschäftsmodell als Finanz- und Tourismuszentrum aktuell schwer gefährdet ist.

SEHEN WIR EIN NEUES 2022?
Den vielerorts diskutierten Vergleich mit 2022 sehen wir nicht. Zur Erinnerung: Die Notenbanken hatten die Inflation damals massiv unterschätzt, zu spät die Zinsen angehoben. Rasante Anhebungen waren die Folge, eines der schlechtesten Anleihejahre der Geschichte eine schmerzhafte Auswirkung. Diesmal ist die Lage aus unserer Sicht strukturell anders. Die Notenbanken sind klar „vor der Kurve“, wie es im Fachjargon heißt, und stehen nicht wie damals an der Null-Linie. Ein US-Leitzins von 3,75 % ist bereits ein restriktives und somit bremsendes Niveau, zumal auch die gestiegenen Kapitalmarktrenditen im 10-Jahres-Bereich eine dämpfende Wirkung haben. Auch die EZB ist mit einem Einlagenzins von 2 % in einer guten Position und kann ohne Druck von außen die Lage bewerten.

EZB VOR ZINSERHÖHUNGEN?
Die Märkte haben in den vergangenen Tagen und Wochen eine neue Zinswelt eingepreist, welche zu Jahresbeginn noch undenkbar war. In der Euro-Zone werden aktuell im Jahr 2026 drei Zinserhöhungen zu je 0,25 % erwartet. Wir teilen diesen Konsens nicht und meinen, es wird substanziell weniger sein. Die steigenden Energiekosten werden einen bremsenden Nachfrageeffekt haben, den die Notenbank nicht nochmals massiv verstärken muss. Eine Wiederholung der Lohn-Preis-Spirale wie in den vergangenen Jahren sehen wir nicht. In den USA geht man davon aus, dass es im gesamten Jahresverlauf 2026 keine Senkung geben wird. Auch diesen Konsens teilen wir nicht. Im Vorfeld der kommenden Zwischenwahlen mit wohl vielen Kommentaren des US-Präsidenten
und im Umfeld eines zuletzt doch schwachen Jobwachstums gehen wir von leichten Lockerungen aus.

BESONNENE MARKTREAKTIONEN
Die Reaktion der Märkte war bisher klarerweise negativ, kann aber bis dato als besonnen bezeichnet werden. Sollte der Öl- und Gaspreis über Monate im Stress bleiben oder noch weiter nach oben eskalieren, würde dies sicherlich einen neuerlichen Test für die Märkte bringen. Im Gegenzug sind aber auch deutliche Erholungstendenzen möglich, wodurch wir wie beschrieben von einer rein einseitigen Positionierung abraten. Der Rückgang im April 2025 aufgrund der Zollankündigungen war mehr als doppelt so hoch wie die aktuelle Korrektur.

Ein Grund für die zuletzt besonnene Entwicklung ist sicherlich die in Summe gute Ertragslage der Unternehmen, zumal nicht jede Branche gleich von der aktuellen Energiesituation betroffen ist. Die Berichtsaison vor der Eskalation um den Iran war in Summe positiv. In den USA sind die Unternehmensgewinne in den vergangenen 12 Monaten knapp zweistellig gestiegen, für die kommenden 12 Monate wird ein Anstieg ebenfalls im hoch einstelligen bis knapp zweistelligen Bereich erwartet. Durch sinkende Kurse und steigende Unternehmensgewinne ist die Bewertung der US-Aktien in den vergangenen Wochen um 15 % gesunken, historisch in der Regel eine gute Kaufchance. Insgesamt scheint unter Abwägung der Chancen und Risiken der US-Markt die im Vergleich zu Europa und Asien eine bessere Ausgangssituation zu haben.

WAS MACHT DER GOLDPREIS?
Die scharfe Korrektur des Goldpreises hat viele irritiert, ist aber auch aus mehreren Gründen im aktuellen Kontext einzuordnen. Die Verkäufe kamen wohl kaum von echten „Goldfans“, sondern wohl eher von Finanzinvestoren, die unsicher waren und bei dem Asset, wo sie am meisten im Plus waren, ganz einfach Gewinne mitgenommen haben. Dazu kam auch ein Effekt, der nicht neu ist. Gold ist ein hochliquides Asset, das faktisch rund um die Uhr gehandelt werden kann. Dieser Vorteil kann auch ein Nachteil sein. Wollen Investoren einfach Cash aufbauen, bewegen sich aber in teilweise wenig bis gar nicht liquiden Asset, dann wird Gold oft geopfert. Eine nicht ganz rationale Entscheidung, es findet aber statt. Zudem sind tiefe Zinsen und ein schwacher Dollar historisch betrachtet Treiber des Goldpreises, beides fand zuletzt auch nicht statt, ganz im Gegenteil.

Wir wiederholen unseren Zugang, Gold nicht als Einzelasset zu sehen, sondern im Portfoliokontext. Wir stehen zu unserer Beimischungsempfehlung und zu unserer Aussage von maximal 10 % des Portfolios, wodurch auch in den Anstiegen der vergangenen Jahre keine Klumpenrisiken entstanden sind.

UNSERE STRATEGIEN IM APRIL
Jede Krise wird in der dann intensiven Tagesaktualität als besonders kompliziert wahrgenommen, ein Bild, das sich im Rückblick von Monaten oder Jahren dann doch in der Regel abschwächt. Auch ein zweites Merkmal ist immer wieder festzustellen. Megatrends wie die Steigerung der Produktivität durch die Künstliche Intelligenz oder der weltweit steigende Strombedarf werden in Krisenphasen der Geopolitik weniger diskutiert, finden aber trotzdem statt.

Als erste große Organisation hat die OECD die Entwicklungen des März in seinen Prognosen verarbeitet, klarerweise mit dem Hinweis, dass man nicht ein weiteres massives Eskalationsszenario eingearbeitet hat. Das Wachstum der Weltwirtschaft wird 2026 bei 2,9 % gesehen. Die US-Erwartung wird von 2,0 % auf 1,7 % reduziert, jene der Euro-Zone von 1,20 % auf 0,80 % gesenkt. Die Inflationsprognose für die G-20-Staaten wurde um gut 1 % auf Richtung 4 % angehoben. Ein aus unserer Sicht rationaler Zugang, der auch besonnene Anlageentscheidungen unterstützt.

Wir haben daher nach Analyse der Lage und basierend auf historischen Erfahrungen in den vergangenen Wochen keine substanziellen Änderungen unserer Strategien vorgenommen. Im Anleihebereich sehen wir attraktive Niveaus und greifen auch gerne wieder bei etwas längeren Laufzeit zu. Im Aktienbereich würde wir nochmals deutlich tiefere Kurse als Kaufchance sehen. Wir ändern auch unsere Langfristüberzeugungen wie Emerging-Marktes nicht aufgrund des aktuellen Gegenwindes.

Auch der Monat April kann durchaus turbulent werden und es is nie ist ganz auszuschließen, daß neue Erkenntnisse auch neue Reaktionen erfordern.

Der Blick Richtung Horizont und nicht auf die täglichen Wellen sollte aber helfen…

 

Ihr Alois Wögerbauer

 

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